Im Bann der Inflationsangst

FondsSecure Systematik

Bericht und Marktkommentar des FondsSecure Systematik

Das Börsenjahr 2021 war – auf ganz andere Weise als das Vorjahr, das Coronajahr 1 – höchst abwechslungsreich und hielt eine Reihe von unerwarteten Entwicklungen parat. Im Unterschied zu der Zeit nach der Finanzkrise 2008 hat die Weltwirtschaft nach dem Virusschock fast nahtlos auf den vorherigen Wachstumspfad zurückgefunden, vor allem dank der beispiellosen fiskalischen Hilfspakete in den Industriestaaten. Allerdings zeigte sich spätestens im Verlauf des 2. Halbjahres immer deutlicher der Preis dieser Dynamik: Die von den Notenbankern seit Jahren herbeigesehnte Inflation kam mit einer Wucht, die ihnen zunehmend Kopfzerbrechen machte und weitermachen wird.


Mit dem Wirtschaftswachstum hat auch der Welthandel wieder Fahrt aufgenommen und erreichte bis zum Herbst bereits Vorkrisenniveau. Die Schattenseite dieser raschen Erholung war schon ab dem Frühjahr eine spürbare Überforderung der Produktionssysteme: Verknappung von Rohmaterialien, Arbeitskräften, Transportkapazitäten bis hin zu einem weltweiten Mangel an Computer-Chips, der viele Produktionsbänder teilweise stilllegte und zu einem massiven Angebotsproblem auch bei vielen Verbrauchsgütern führte, dass wiederum die Inflation weiter anheizte.
Die ab dem Frühjahr zur Verfügung stehenden Impfstoffe und die drauf folgenden Impfkampagnen ließen die Infektionszahlen sinken, die Virus bedingten Einschränkungen wurden weitgehend zurückgenommen, so dass sich das öffentliche Leben wieder halbwegs normalisieren und die Konjunktur kräftig erholen konnte. Für viele unerwartet, obwohl von den Experten schon im Sommer prognostiziert, kam es im Herbst zu einer weiteren Viruswelle, worauf die Regierungen einiger Länder kaum vorbereitet waren. Sie sahen sich gezwungen, erneute Einschränkungsmaßnahmen anzuordnen, was die Lieferkettenproblematik zusätzlich verschärfte. Als sich zudem im November noch die neue Virusmutante Omikron, von Südafrika ausgehend, mit rasender Geschwindigkeit weltweit verbreitete, war das ein Schock, der auch die Börsen auf Talfahrt schickte.


In dieser wechselvollen und spannungsgeladenen Gemengelage bewegte sich die Gefühlslage der Anleger das ganze Jahr über zwischen Hoffen und Bangen. In den letzten Dezembertagen konnten sich die indexnahen Aktien vom Omikron-Schock noch etwas erholen und am Ende lagen die Aktienindizes der wichtigsten Börsen zweistellig im Plus. Der Weltaktienindex MSCIW stieg um 20%, der Index der großen deutschen Unternehmen DAX um 15%, der SDAX für die kleineren Aktiengesellschaften um 11%, während das Jahr für die Aktien in China (-6%) und den Schwellenländern (-5%) mit Verlust endete.

An diesem insgesamt guten Ergebnis konnte der FondsSecure 2021 nicht partizipieren. Nach der Spitzenperformance von 41% in 2020 schloss der Fonds in 2021 lediglich mit einer schwarzen Null (+0,4%). Was sind die Gründe für dieses unterdurchschnittliche Resultat? Das Portfolio des Fonds bestand auch im 1. Halbjahr zu einem großen Teil aus Aktien, in die bei Beginn der Pandemie im späten Frühjahr und Frühsommer 2020 investiert wurde, als erkennbar war, dass diese Werte Corona bedingt und aufgrund anderer aktueller Entwicklungen enorme Chancen boten. Es handelte sich dabei insbesondere um Aktien von Unternehmen, die in den Bereichen E-Commerce, Biotechnologie und anderer disruptiver Technologien tätig sind. Diese Chancen konnten in 2020 durch fundiertes Research, eine gründliche Beobachtung des Marktgeschehens und der Geldflüsse, eine glückliche Hand bei der Titelselektion sowie durch ein aktives Management, rasche Entscheidungen und ein höchst flexibles Handeln nahezu optimal genutzt werden. Aber dieser Erfolg ist uns 2021 ein Stück weit auf die Füße gefallen. Denn die Aktien, die dem Fonds im Vorjahr zu dem herausragenden Wertzuwachs verholfen haben, waren überwiegend dieselben, die 2021 vom Markt abgestraft wurden. Als im Februar erste Befürchtungen hinsichtlich einer steigenden Inflation und einer Straffung der Geldpolitik aufkamen, haben genau diese Aktien am stärksten darunter gelitten. Es kam zu einem plötzlichen Kursrutsch bei diesen Titeln, der zumindest insofern überraschend war, weil die realwirtschaftlichen Bedingungen und Wachstumsaussichten für diese Unternehmen unverändert positiv waren und größtenteils immer noch sind. Denn Corona war noch lange nicht besiegt, der Bedarf an Medikamenten, Impfstoffen, Online-Shops für alle möglichen Produkte usw. ging nicht zurück, sondern zog weiter an, die Veränderungen bei den Konsumgewohnheiten und im Kaufverhalten schritten unvermindert voran, Homeoffice wurde zum Dauerzustand und die Digitalisierung von Produktionsprozessen, in der Verwaltung (mit Ausnahme von Behörden und Schulen) und der gesamten Wirtschaft nahm weiter Fahrt auf. Dennoch haben wir die leichte Erholung der Technologie-Aktien im späteren Frühjahr dazu genutzt, den Anteil der betreffenden Aktien im Fonds etwas zu reduzieren, um das Portfolio im Falle weiterer Kursverluste weniger vulnerabel zu machen. Diese und weitere Anpassungen in den Folgemonaten erwiesen sich allerdings im weiteren Jahresverlauf als nicht ausreichend. Zumal auch die geplante Absicherung dieser Titel mit Short-Derivaten auf den Technologie-Index Nasdaq nur wenig effektiv war, da sich ein Großteil der gehaltenen Tech- und Biotech-Aktien asymmetrisch, teilweise sogar gegenläufig zum Index verhielt. Es gab mehrfach Phasen, in denen der Nasdaq stieg oder seitwärts lief, während eine Vielzahl der Titel im Fondsportfolio Kursverluste verzeichnete. Beispiel: Zwischen Anfang August und Anfang November stieg der Nasdaq um 8%, gleichzeitig brach die Biontech-Aktie (im Nasdaq enthalten) um 51% ein. Obwohl gerade dieses Unternehmen mit einem einstelligen KGV alles andere als überbewertet gilt und einer der Hauptlieferanten von Impfstoffen ist, in Kürze auch das Omikron-Vakzin auf den Markt bringen wird und mit seiner Innovationskraft in der Lage ist, gegen evtl. weitere Covid-Mutanten und anderweitige Viren wirksame Mittel zu entwickeln und zu vermarkten, von den parallellaufenden, bereits weit fortgeschrittenen Entwicklungen von Karzinom-Medikamenten ganz abgesehen. Zahlreiche weitere Beispiele von Aktien, die in ähnlicher Weise abgestraft wurden, ließen sich hier anführen.


Wie ist das zu erklären? Wenn Ludwig Erhard, der Vater der Marktwirtschaft, gesagt hat „Wirtschaft ist zu 50% Psychologie“, so trifft das in noch weit stärkerem Maße auf die Börse zu. Aber so einfach wollen wir es uns nicht machen. Zweifellos haben sich viele Marktteilnehmer bei den Aktien, die in 2020 derart hohe Kursgewinne erzielt haben, die Frage gestellt, ob es sich dabei um eine Übertreibung handelt und die hohen Kurse gerechtfertigt sind. Auslöser dieser Frage waren sicherlich die Inflations- und Zinsängste, die 2021 mehrfach aufkamen. Da besonders die kleineren der dynamischen Wachstumsunternehmen ihre Expansion nicht alleine aus dem eigenen Cashflow finanzieren können, sondern dafür Fremdkapital benötigen, ist es naheliegend, dass sich bei steigenden Zinsen die Finanzierungskosten erhöhen zu Lasten zukünftiger Gewinne. So rational dieser Aspekt grundsätzlich ist, ein Kursrückgang von 40% bis 80% bei Aktien höchst erfolgreicher Unternehmen mit starkem Umsatzwachstum lässt sich allein durch den zusätzlichen Kostenfaktor einer Zinserhöhung von 1-2% nicht rational erklären.


Dennoch, der Markt hat offensichtlich die voraussichtliche Zinserhöhung zum Anlass genommen, die kleinen Wachstumsunternehmen im Technologiebereich im Laufe des Jahres grundlegend neu einzuschätzen. Welchen Anteil die Psychologie dabei hat oder inwieweit ein Mangel an differenzierter Betrachtungsweise eine Rolle spielt, die den Blick auf das jeweilige Unternehmen verstellt und diese der Einfachheit halber über einen Kamm geschoren werden, sei dahingestellt. Die Frage ist auch, wie nachhaltig diese „neue Sichtweise“ des Marktes ist. Nach unserer Erfahrung hat der Markt nur langfristig recht, kurzfristig irrt er meist, korrigiert sich aber immer und oft sehr kurzfristig selbst.
Aktuell müssen wir uns mit dieser Tatsache abfinden und rückblickend einräumen, dass wir zu lange an diesen Titeln festgehalten bzw. sie zu kleinteilig verkauft haben. Auch wenn der Gewinn, den wir mit diesen Aktien 2020 erwirtschaften konnten, deutlich höher war als ihr negativer Ergebnisbeitrag im Folgejahr, mit der Performance in 2021 können wir dennoch nicht zufrieden sein. Der Gewinn besteht allein in der Erfahrung, aus der wir eine neue Lektion gelernt haben, die für die Zukunft hilfreich sein kann.

Ausblick
2022 verspricht nicht weniger spannend zu werden als das Vorjahr. In den ersten Wochen zeigten sich die Börsen noch mehr verunsichert als in den Monaten davor, die Aktienkurse setzten zu einer ausgeprägten Talfahrt an. Außer der Verschärfung des Russland-Ukraine-Konflikts sind die belastenden Themen dieselben wie zuletzt: Omikron, Inflations- und Zinsängste und verstärkte Zweifel an einer baldigen Lösung der Lieferkettenprobleme und Lieferengpässe. Diese machten vielen Unternehmen und Verbrauchern schon 2021 zu schaffen. Sie werden sich eher mittel- als kurzfristig verflüchtigen, so dass zumindest von dieser Seite eine inflationsdämmende Wirkung vorerst kaum zu erwarten ist.
Das Portfolio des FondsSecure haben wir in den letzten Wochen stark angepasst. Der Sektor Technologie wurde deutlich verringert, vor allem durch Verkauf einer Reihe von mittelgroßen und kleineren Wachstumstiteln. Wir sind zwar unverändert vom Erfolg dieser Unternehmen überzeugt und der Meinung, dass auch deren Aktien wieder steigen und mittel- und langfristig eine überdurchschnittliche Performance ermöglichen werden. Aber aktuell sind die Abverkäufe bei diesen Titeln offensichtlich noch nicht zu einem Abschluss gekommen und in dieser Situation ist es uns wichtig, das weitere Verlustrisiko aus diesem Segment zu minimieren. Aufgestockt haben wir dagegen Aktien und Fonds mit Value- und Dividendenwerten. Grundsätzlich gehen wir, nach der aktuellen Korrektur an den Börsen, von einem weiterhin positiven Szenario für Aktien für das Gesamtjahr aus, gleichzeitig aber auch von einer anhaltend hohen Volatilität. Wir werden uns wie gewohnt mit aktivem Management auf die jeweiligen Marktgegebenheiten einstellen und das Portfolio bei Bedarf flexibel anpassen.

Sankt Augustin, 16.01.2022


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Stand: 06.02.2022

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